Restauratorin Diesing-Otto

Alte Kunst
Startseite
Restaurierungen
Wissenswertes
Kontakt
Impressum
Referenzobjekte
Sachverständige
Honorar
Lehrveranstaltungen
 
Restaurierung antiker Möbel  

 

nach alten Herstellungsmethoden,

Rezepten und Materialien

 

Beispielsweise:

 

Stabilisierungsmaßnahmen

Schnitzarbeiten

Ergänzungen

Furnier: Niederlegungen und Ergänzungen

Marketerie

Schellack - u. Harzpolituren

Retuschen

Vergoldung

 

Schadenskartierung
Dokumentation
 
 
Klassizistischer Sekretär  in Mahagoni 
 
nach der Restaurierung                      vor der Restaurierung
                                                
              
                                                                 
Der Sekretär mit Rollbüro hat ein sehr schönes, durchlaufendes Furnier aus Pyrramidenmahagoni. Dieses besondere Furnier wird aus der Astgabel des Baumes geschnitten und erscheint so in seiner geflammten Textur. Das Furnier ist teilweise dicker als 2 mm. Für das Konstruktionshloz wurde Tanne und Eiche von besonderer Qualität gewählt, daher ist das Möbel  trotz starker Beanspruchung  weder ausgeleimt noch treten starke Furnierschäden auf. Die Schellackpolitur war durch Weichmacher in Putzmitteln zerstört.    
               
    
 
Auf dem Streiflichtfoto sieht man , dass der viel zu weiche Lack kleine Inseln
gebildet hat. An diesen Stellen wurde der Lack abgenommen und durch eine neue Schellackpolitur ersetzt, die nun wieder das Holz schützt.  Der abgenommene Lack war nach einer Restaurieung aufgebracht worden, so dass es sich nicht um einen originalen Überzug gehandelt hat. Diese Restaurierung hat starke Spuren hinterlassen, die eine vorsichtige Re-Restaurierung nötig machte. Das Möbel ist gesamt mit einer Schleifmaschine abgezogen worden, die in dem feinen , harten Holz ihre Querschleifer hinterlassen hat.
 
 
Auch das Schlüsselschild wurde direkt mitgeschliffen. Solche Schleifspuren sind irreversibel, können aber in ihrem Erscheinungsbild reduziert werden:
 
vor der Restaurierung
 
nach der Restaurierung
 
 
 Globus, Paris, 1786
 
Konservierung eines "Globe terrestre" , der sich besonders durch Darstellung der Schiffahrtslinien des Entdeckers Kapitän James Cook auszeichnet.
 
 
 
vor der Reinigung Konservierung  und danach
 
   
 
starke Verschmutzung am Monatsring,  Spannungsrisse destabiliesieren die Aufhängung
 
 
 
Abnahme der Schmutzschicht und Festigung der Risse im Holz
 
 
 
 
 
 
Biedermeiersekretär, Kirsche, 1820                                                              
 
In der Werkstatt steht ein sehr schöner Biedermeiersekretär mit durchlaufendem, gefladerten Kirschfurnier zur Bearbeitung. Die Schlüsselschilder sind in Palisander gestaltet.
 
Am Schubkasten gibt es einen Verweis auf den Tischler, der eine genaue Datierung zulässt.
 
 
 
Leider ist der Sekretär durch starken Gebrauch in seinem Furnierbild sehr
beschädigt.
 
nach der Restaurierung                                   vor der Restaurierung
 
                                                                                                                                            
 
 Unsachgemäße Furniereinsätze, die wie hier das ästhetische Erscheinungs-
 bild  des Furnieres stören, da sie quer zur Faser geschnitten sind und auch  
 die  Maserung nicht aufnehmen, werden ersetzt.
                                           
           
 
                                            
Schaden durch eine Splitterbombe aus dem 2. Weltkrieg. An unauffälligen
Stellen in der Rückwand werden diese "Krater" als Zeugnis geschichtlicher
Ereignisse belassen. Sie wurden nur ein wenig geglättet, damit man sich
keine Splitter einzieht.
 
 
        
 
Der Substanzverlust wird durch eine kleine Stäbchenverleimung ausgeglichen
und es wird ein Furnier eingesetzt.
     
 
 
Der über dem Rollbuereau über die ganze Breite laufende Schubkasten war
mit einer Abschlußleiste versehen, die Quer zur Maser angeleimt war. Da der
ganze Sekretär mit einem aufrechten Kirschflader durchfurniert ist, wurde die
Ästhetik des Möbels durch diese Leiste zerstört. Sie wurde mit aufrecht
laufenden Kirschfurnier, der Maserung angeglichen, auffurniert.
 
             
      
 
        
 
 
Eine Stabilsierung des völlig geworfenen Konstruktionsholzes und das Verstärken der der Laufleisten tragen  zu der Erhaltung des wertvollen, alten Möbels bei.   
 
 
Weiterführende Informationen zur Restaurierung des Sekretäres: 
 
 
  1. Beschreibung:

 

Der Korpus des Sekretärs besteht aus einem Zylinderbureau mit Aufsatz. Das Unterteil besteht aus drei Schubkästen und einem Rollbüro mit Schreibklappe. Das innere Schreibfach gliedert sich in ein offenes Ablagefach, was rechts und links  jeweils von drei Schubfächern gerahmt wird. Der Aufsatz hat rechts und links zwei Schubkästen mit geviertelter Rundung und in der Mitte zwei Ablagefächer, die sich hinter einer Glastür befinden

Durch Aufsatz, Rollbüro und Schubkästen erhält das Möbel eine dreiteilige Gliederung, die durch das durchlaufende, gefladerte Kirschfurnier auf harmonische Weise miteinander verbunden wird. Die Textur des Furniers weist in der Fladerung mit einem dunkleren  Jahresring eine farbliche Besonderheit auf. Die Schlüsselschilder sind in Peltenform aus Palisander und bilden mit einer umlaufenden Palisanderader an den Schubkästen und am Rollbüro die einzige Unterbrechung im hellen Kirschholz.

 

  1. Kunsthistorische Einordnung:

 

Der Sekretär hat eine sehr bewegte Geschichte, die zahlreiche Spuren hinterlassen hat.

Einer Bleistiftinschrift an einer Schublade der inneren Fächereinteilung zufolge wurde der Sekretär 1820 von dem Tischler Karl Hörig gebaut und dann in seinem Möbelmagazin veräußert. Diese Möbel waren für aufstrebende Bürgertum bestimmt, eine Gesellschaftsschicht, der  im Biedermeier eine significante Rolle zukam. Königin Luise von Preußen hatte mit ihren Interieurs einen ganz neuen Stil geprägt, der den klassizistischen Geschmack noch mehr reduzierte . Das Dekor verschwand bei Möbeln ganz, die architektonische Form und die Schönheit des Holzbildes wurden hervorgehoben. So entstanden wunderbare Möbel, die aussahen wie kleine palladianische Villen in immer extravaganteren Hölzern.

Das Kirschholz des Sekretärs hat eine außergewöhnlich starke Maserung, die besonders gut zur Geltung kommt, da das Furnier über alle Konstruktionselemente hinweg horizontal auffurniert wurde. Seine Form und sein Erscheinungsbild machen diesen Sekretär zu einem typischen Repräsentanten des Biedermeier.

 

Neben den normalen Spuren des Gebrauchs, wie zerkratzte Schlüsselschilder und abgesprungene Furniere, war der Sekretär stark verrußt. Brandschäden waren nicht zu finden, vielleicht hat er nur in der Nähe eines Kamins gestanden. Eine sanfte Reinigung hat den Schellack regeneriert und dem Holz die warme Bernsteinfarbe zurückgegeben. Deutlichere Zeichen hat hingegen eine Splitterbombe hinterlassen. Zum Glück gab es keine gravierenden Verluste, aber Eisensplitter konnten in das Holz eindringen und haben teilweise im Inneren der Einrichtung kleine zerfetzte Krater hinterlassen. Sie sind ein beeindruckendes Bild Deutscher Geschichte. Im Ablagefach des Aufsatzes und in Decke wurden sie nur konserviert, als Bestandteil einer bewegten Vergangenheit , der entsprechende Achtung gebührt. Auf der Möbelfront wurden sie vorsichtig restauriert, der Substanzverlust  durch eine Stäbchenverleimung wieder aufgebaut mit Kirschholz furniert und poliert.

Glücklicherweise wurde dieser Sekretär gut gepflegt und hin und wieder restauriert. Er überstand die Zeiten starker Benutzung, z.B. in der Langenscheidt´schen Verlagsduckerei  und auch danach in der Villa der Familie des Verlegers. Viele Maßnahmen zur Erhaltung vorangegangener Tage waren gut gearbeitet, fest und konnten belassen werden. Andere Ergänzungen im Furnier ließen auf Zeiten des Mangels, wie z.B. nach dem Krieg schließen, da sie in minderwertigen Holz ergänzt waren und teilweise nicht fachgerecht ausgeführt waren. Um dem alten Möbel die ästhetische Ausstrahlung zurückzugeben wurden diese Ergänzungen ersetzt.

Obwohl der Lack stark zerkratzt und beschädigt war, war seine Grundkonstitution so gut, dass er nach der Reinigung zu einem sehr großen Teil  regeneriert werden konnte und so erhalten blieb.

Das größte Problem ergab sich aus einer Instabilität des Möbels durch die schwachen Seitenwände aus massiver Kirsche. Das Holz hatte sich verzogen und war dem großen Gewicht der Einrichtungen nicht gewachsen. Leider konnte man kein unsichtbares Stützgestell einbauen. Eine neue Rückwand aus stabiler Mulitplexplatte hat das Gewicht besser verteilt. Dies war sicher der größte Eingriff in den alten gewachsenen Zustand, aber unerlässlich.

 

 
Klassizistischer Stuhl 1790

 
 
Bruchstelle am Beinstollen                Festigung durch einleimen
                                                             eines Keils
 
              
 
 Vergleichsstücke zu diesem Stuhl stehen im Schloß Charlottenburg und in Paretz in den Wohnräumen der Königin Luise. Er wird auf das Jahr 1790 als Berliner Möbel datiert.
 
Der Bezug ist nicht original und könnte durch einen schwarzen Roßhaarbezug ergänzt werden.
 
 
Norddeutsche Vitrine 1830, Pyrramidenmahagoni
 
       
 
 
 Für diese Vitrine findet man ein Vergleichsobjekt in Bd.III "Die Kunst des Deutschen Möbels" von Kreisel/Himmelheber, Nr.543.
Sie ist sehr gut verarbeitet. Die Schäden belaufen sich auf ein paar Gebrauchsspuren. Besonders der Schellack erscheint unter UV-Licht milchig- opak, was auf ein hohes Alter schließen läßt. Die Furnierausbrüche werden behoben, ohne die Oberfläche zu verletzen, indem schon polierte Furniere eingesetzt werden.
 
 
Tisch mit Widderköpfen , 1820
 
 
        
 
Vergleichsbeispiel: Herrmann Schmitz, "Deutsche Möbel des Klassizismus", S. 171
 
Dieser Tisch ist durch seine schlanken, geschwungenen Beine sehr elegant.
An dem runden Korpus gibt es leichte Schwundschäden im Konstruktionsholz.
Wenn sie behoben sind , lässt sich auch das Furnier wieder legen. Zum Glück wurden alle abgelösten Furniere aufgehoben, so dass sie wider an ihren originalen Platz gesetzt werden können.