- Beschreibung:
Der Korpus des Sekretärs besteht aus einem Zylinderbureau mit Aufsatz. Das Unterteil besteht aus drei Schubkästen und einem Rollbüro mit Schreibklappe. Das innere Schreibfach gliedert sich in ein offenes Ablagefach, was rechts und links jeweils von drei Schubfächern gerahmt wird. Der Aufsatz hat rechts und links zwei Schubkästen mit geviertelter Rundung und in der Mitte zwei Ablagefächer, die sich hinter einer Glastür befinden
Durch Aufsatz, Rollbüro und Schubkästen erhält das Möbel eine dreiteilige Gliederung, die durch das durchlaufende, gefladerte Kirschfurnier auf harmonische Weise miteinander verbunden wird. Die Textur des Furniers weist in der Fladerung mit einem dunkleren Jahresring eine farbliche Besonderheit auf. Die Schlüsselschilder sind in Peltenform aus Palisander und bilden mit einer umlaufenden Palisanderader an den Schubkästen und am Rollbüro die einzige Unterbrechung im hellen Kirschholz.
- Kunsthistorische Einordnung:
Der Sekretär hat eine sehr bewegte Geschichte, die zahlreiche Spuren hinterlassen hat.
Einer Bleistiftinschrift an einer Schublade der inneren Fächereinteilung zufolge wurde der Sekretär 1820 von dem Tischler Karl Hörig gebaut und dann in seinem Möbelmagazin veräußert. Diese Möbel waren für aufstrebende Bürgertum bestimmt, eine Gesellschaftsschicht, der im Biedermeier eine significante Rolle zukam. Königin Luise von Preußen hatte mit ihren Interieurs einen ganz neuen Stil geprägt, der den klassizistischen Geschmack noch mehr reduzierte . Das Dekor verschwand bei Möbeln ganz, die architektonische Form und die Schönheit des Holzbildes wurden hervorgehoben. So entstanden wunderbare Möbel, die aussahen wie kleine palladianische Villen in immer extravaganteren Hölzern.
Das Kirschholz des Sekretärs hat eine außergewöhnlich starke Maserung, die besonders gut zur Geltung kommt, da das Furnier über alle Konstruktionselemente hinweg horizontal auffurniert wurde. Seine Form und sein Erscheinungsbild machen diesen Sekretär zu einem typischen Repräsentanten des Biedermeier.
Neben den normalen Spuren des Gebrauchs, wie zerkratzte Schlüsselschilder und abgesprungene Furniere, war der Sekretär stark verrußt. Brandschäden waren nicht zu finden, vielleicht hat er nur in der Nähe eines Kamins gestanden. Eine sanfte Reinigung hat den Schellack regeneriert und dem Holz die warme Bernsteinfarbe zurückgegeben. Deutlichere Zeichen hat hingegen eine Splitterbombe hinterlassen. Zum Glück gab es keine gravierenden Verluste, aber Eisensplitter konnten in das Holz eindringen und haben teilweise im Inneren der Einrichtung kleine zerfetzte Krater hinterlassen. Sie sind ein beeindruckendes Bild Deutscher Geschichte. Im Ablagefach des Aufsatzes und in Decke wurden sie nur konserviert, als Bestandteil einer bewegten Vergangenheit , der entsprechende Achtung gebührt. Auf der Möbelfront wurden sie vorsichtig restauriert, der Substanzverlust durch eine Stäbchenverleimung wieder aufgebaut mit Kirschholz furniert und poliert.
Glücklicherweise wurde dieser Sekretär gut gepflegt und hin und wieder restauriert. Er überstand die Zeiten starker Benutzung, z.B. in der Langenscheidt´schen Verlagsduckerei und auch danach in der Villa der Familie des Verlegers. Viele Maßnahmen zur Erhaltung vorangegangener Tage waren gut gearbeitet, fest und konnten belassen werden. Andere Ergänzungen im Furnier ließen auf Zeiten des Mangels, wie z.B. nach dem Krieg schließen, da sie in minderwertigen Holz ergänzt waren und teilweise nicht fachgerecht ausgeführt waren. Um dem alten Möbel die ästhetische Ausstrahlung zurückzugeben wurden diese Ergänzungen ersetzt.
Obwohl der Lack stark zerkratzt und beschädigt war, war seine Grundkonstitution so gut, dass er nach der Reinigung zu einem sehr großen Teil regeneriert werden konnte und so erhalten blieb.
Das größte Problem ergab sich aus einer Instabilität des Möbels durch die schwachen Seitenwände aus massiver Kirsche. Das Holz hatte sich verzogen und war dem großen Gewicht der Einrichtungen nicht gewachsen. Leider konnte man kein unsichtbares Stützgestell einbauen. Eine neue Rückwand aus stabiler Mulitplexplatte hat das Gewicht besser verteilt. Dies war sicher der größte Eingriff in den alten gewachsenen Zustand, aber unerlässlich.
Bruchstelle am Beinstollen Festigung durch einleimen
eines Keils
Vergleichsstücke zu diesem Stuhl stehen im Schloß Charlottenburg und in Paretz in den Wohnräumen der Königin Luise. Er wird auf das Jahr 1790 als Berliner Möbel datiert.
Der Bezug ist nicht original und könnte durch einen schwarzen Roßhaarbezug ergänzt werden.
Norddeutsche Vitrine 1830, Pyrramidenmahagoni
Für diese Vitrine findet man ein Vergleichsobjekt in Bd.III "Die Kunst des Deutschen Möbels" von Kreisel/Himmelheber, Nr.543.
Sie ist sehr gut verarbeitet. Die Schäden belaufen sich auf ein paar Gebrauchsspuren. Besonders der Schellack erscheint unter UV-Licht milchig- opak, was auf ein hohes Alter schließen läßt. Die Furnierausbrüche werden behoben, ohne die Oberfläche zu verletzen, indem schon polierte Furniere eingesetzt werden.
Tisch mit Widderköpfen , 1820
Vergleichsbeispiel: Herrmann Schmitz, "Deutsche Möbel des Klassizismus", S. 171
Dieser Tisch ist durch seine schlanken, geschwungenen Beine sehr elegant.
An dem runden Korpus gibt es leichte Schwundschäden im Konstruktionsholz.
Wenn sie behoben sind , lässt sich auch das Furnier wieder legen. Zum Glück wurden alle abgelösten Furniere aufgehoben, so dass sie wider an ihren originalen Platz gesetzt werden können.